Atemarbeit zur Auflösung von Blockaden

Unser Atem

Unser Atem ist ein treuer Begleiter vom ersten Atemzug wenn wir geboren werden bis zum letzen Atemzug, wenn unser Leben zu Ende geht. Das Leben ist ein ständiger Fluss und besteht aus vielen Veränderungen, die manchmal schwindelerregend und beängstigend sein können. Unser Atem kann uns Halt geben, wir können zu unserem Inneren zurückkehren und daraus schöpfen, wenn zu viel auf uns einstürzt, wenn wir das Glück im Aussen suchen und merken, dass wir es dort nicht finden können.

Häufig werde ich, besonders nach einer KAP session, von Menschen, gefragt, was sie denn noch Zuhause tun könnten um Blockaden aufzulösen. Yoga und Atemarbeit sind für mich Techniken, die man gut daheim praktizieren kann.

Atmen ist viel mehr als nur eine Überlebensfunktion, es ist eine Lebensphilosophie. So wie wir atmen, leben wir. Unser Atem ist ein kostbares Geschenk mit einer ungeheuren Kraft. Nicht umsonst ist die Atemarbeit ein zentraler Bestandteil von spirituellen Praktiken und Meditationen von vielen alten Kulturen, wie dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem Taoismus. Atemtechniken werden genutzt, um die innere Ruhe zu fördern, den Geist zu klären und eine tiefere Verbindung mit dem Selbst oder dem Universum herzustellen. Eine Atempraxis kann deine Stimmung, und somit deinen Tag, vollkommen verbessern.

Atmen als Alternative zur Meditation

Mir fällt es relativ schwer zu meditieren. Und ich glaube, das geht nicht nur mir so. Meditation ist definitiv ein tolles Werkzeug, doch vielen Menschen fällt es schwer. Man sitzt mit geschlossenen Augen da und versucht in eine tiefe Ruhe zu kommen und dann fängt man an über alles mögliche nachzudenken. Was gestern geschehen ist, was es noch zu erledigen gibt, was gerade beunruhigt, wie unbequem die Haltung ist und wie die Beine einschlafen, 😉 ….

Die Atemübungen können in dem Fall eine effektive Alternative sein.  Du kannst deinen Atem leicht beeinflussen und dich in einen Zustand bringen, der tiefer sein kann, als du es in einer Meditation erfahren kannst.

In allen klassischen Weisheitsystemen wurde die Atemarbeit als Portal zur Meditation genutzt und hat daher einen unglaublich wichtigen und zentralen Stellenwert.

Heutzutage sind wir so vielen Reizen ausgesetzt: die moderne Informationsgesellschaft, die Digitalisierung, der zunehmende Verkehr und der verstärkte Lärm. Unser Nervensystem ist einer Überreizung ausgesetzt und das erschwert die Konzentration. Dadurch kommen wir aus der Balance und es kann zu Unzufriedenheit, Depression, Beziehungsproblemen und energetischen Blockaden kommen.

Der Atem ist die ursprüngliche Methode wie du dein Nervensystem steuern kannst.  Atemtechniken können das vegetative Nervensystem positiv beeinflussen. Das vegetative Nervensystem besteht unter anderem aus dem Vagusnerv, der beruhigende Wirkung hat, und dem Sympathikus, der aktivierend auf den Körper wirkt.

Ein Erwachsener atmet durchschnittlich etwa 10 bis 15 Mal pro Minute ein und aus. Möchtest du dich beruhigen, solltest du versuchen deine Atemzüge auf 6 pro Minute zu reduzieren. Um dich z.B. bei Müdigkeit zu aktivieren  kannst du die Frequenz auf 24 Atemzüge pro Minute in einem ausgewogenen Verhältnis anheben oder sogar die sogenannte Feueratmung (Kapalabhati) durchführen.

Atemarbeit um Blockaden und Traumata auszulösen

Gezielte Atemtechniken können uns dabei helfen, Zugang zu traumatischen Erinnerungen und Emotionen zu finden, die möglicherweise tief in unserem Unterbewusstsein vergraben sind.  Traumatische Erfahrungen werden nämlich in unserem Körper gespeichert, und die Atemarbeit kann uns dabei helfen, diese gespeicherten Emotionen körperlich loszulassen und zu verarbeiten.

Intensive Atemtherapie wie Rebirthing, Holotropes Atmen, BioDynamische Atemtherapie, sollten von einem ausgebildeten Therapeuten begleitet werden. Ich nutze die Atemarbeit nicht nur in der Rebirthing Therapie sondern auch in der De-armouring Therapie zusammen mit der Energiearbeit und Fazientherapie.

Es gibt aber auch Atemtechniken, die man über einen kürzeren Zeitraum alleine Zuhause durchführen kann:

Box Breathing: Bei dieser Technik wird 4 Sekunden lang eingeatmet, 4 Sekunden der Atem gehalten, 4 Sekunden lang ausgeatmet und 4 Sekunden lang die Atemleere gehalten. Dieses Muster wird mehrere Minuten lang wiederholt, wobei man sich vollkommen darauf konzentriert und man sich auch eine Box vorstellen kann. Es versetzt uns in einen Zustand tiefer Entspannung.

Zirkuläres Atmen: Bei dieser Technik wird in einer kontinuierlichen kreisförmigen Bewegung ein- und ausgeatmet, ohne dass zwischen den Atemzügen eine Pause eingelegt wird. Der Atem sollte tief und voll sein, wobei der Schwerpunkt auf dem Bauch liegt.

4-7-8-Atmung: Bei dieser Technik wird bis vier eingeatmet, bis sieben gehalten und bis acht ausgeatmet. Dieses Muster wird mehrere Male wiederholt, wobei man sich auf das Gefühl des Atems und des Körpers konzentriert.

Einige Pranayamas (yoguische Atemtechniken)

Purna: Purna bedeutet Fülle und bei dieser Atmung werden 3 Atemräume (Schlüsselbein, Brustkorb, Bauch) miteinander verbunden.

Bhramari: Bei der Bhramari Atmung wird beim Ausatmen mit geschlossenem Mund wie eine Biene gesummt.

Nadhi Shodana/Anuloma Viloma: Die Bedeutung von Nadi ist „Energiekanal“ und Shodana bedeutet „Reinigung“. Diese Wechselatmung reinigt die Energiekanäle und bringt die rechte und linke Gehirnhälfte in Balance.

Ujjayi: Die Bedeutung ist „siegreich“ und bei dieser Kehlatmung, wird die Stimmritze verengt. So kann sehr kontrolliert ein- und ausgeatmet werden. Mit diesem Pranayama kann man den Atem ideal verlängern und verfeinern.

Sitali: Diese Atmung kühlt den Körper und kann bei allen Beschwerden eingesetzt werden, die mit zu viel Hitze zu tun haben (z.B. Fieber, Wechseljahre).

Sicherheitsüberlegungen: was gibt es zu beachten

Gerade Trauma-Atemarbeit ist nicht für jeden geeignet! Die Atemarbeit ist sehr kraftvoll und kann intensive, tiefe Prozesse auf körperlicher und emotionaler Ebene auslösen.

Hoher Blutdruck: Da Atemarbeit stressig sein kann und den Blutdruck in die Höhe treiben kann, wird sie nicht für Personen empfohlen, die bereits unter hohem Blutdruck leiden und diesen nicht medikamentös kontrollieren.

Vorgeschichte von Panikattacken oder Psychosen: Obwohl Atemarbeit bei Angstzuständen und anderen psychischen Problemen helfen kann, wird Personen mit einer Vorgeschichte von Panikattacken oder Psychosen dringend empfohlen, Atemarbeit nur mit einem geschulten Therapeuten zu machen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Personen mit Herzrhythmusstörungen oder einer Vorgeschichte von Herzinfarkten wird von den Atemübungen für Trauma abgeraten. Aufgrund der Schnelligkeit des Atems kann die Übung für Personen mit einem geschwächten Herz-Kreislauf-System zu anstrengend sein.

Epilepsie: Die strenge Natur der Atemarbeit zur Heilung von Traumata und das Potenzial für Hyperventilation und schnelles Atmen können die abnorme Gehirnaktivität erhöhen und möglicherweise Anfälle auslösen und sollte somit mit Vorsicht und unter Aufsicht angewandt werden.

Nutzen der Atemarbeit

Atemarbeit kann ein nützliches Instrument sein:

  • zum Abbau von Stress und Ängsten,
  • zur Verbesserung des geistigen Wohlbefindens,
  • zur Förderung des Stoffwechsels,
  • zur Stärkung der Organe,
  • zur Verbesserung der Herz-und Lungengesundheit,
  • zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte,
  • zur Verbesserung der Konzentration und des Schlafes,
  • zur Beschleunigung des Zellaufbaus,
  • zur Stärkung des Zwerchfells,
  • zur erhöhten Wahrnehmungsfähigkeit,
  • zur Erweiterung des Bewusstseins.

“Der Atem, von dem die alten Texte sprechen, ist Ausdruck eines dynamischen Erlebnisses jener vitalen Kraft, die mit jedem Atemzug erweckt wird. Sie wirkt sich aus in unserem Blutstrom, verwandelt sich in innere feinere Formen von Energie, sie schafft eine neue Art des Körperbewustseins” (Lama Govinda)

Was kann bei der Atemarbeit passieren?

Zu beachten gibt es, dass es zu aller Art von Emotionen und Gefühlen, körperlichen Empfindungen wie Verspannungen, Kribbeln, Vibrationen, Temperaturschwankungen, Gähnen, Schläfrigkeit usw. kommen kann.

Dies sind normale Reaktionen. Du hast jeder Zeit die Kontrolle und kannst deinen Atmen verlangsamen, deine Ausatmung verlängern oder ganz aufhören. Normalerweise kommt es jedoch zur Transformation wenn du präsent bleibst und weiter atmest.

Es kann bei verstärkter Atmung auch zur sogenannten Tetanie kommen. Tetanie ist gekennzeichnet durch Krämpfe, Verkrampfungen, Kribbeln, Lähmungen oder Taubheitsgefühle in den Händen und/oder Füßen (auch bekannt als Hummerhände).

Ausschlaggebend für das Entstehen dieser Symptomen ist die verstärkte Abatmung von Kohlendioxid bei der Atemarbeit. Dies bewirkt, dass der pH-Wert des Blutes alkalischer wird und so zur kommt es zu neuromuskulärer Erregbarkeit, die zu den obengenannten Symptomen führt.

Diese Symptome können auch im Rahmen der Atemtherapie als Folge einer angespannten (gepressten) Ausatmung spontan auftreten. Diese Atemform wird als Folge einer grundlegenden Stresshaltung verstanden. Sobald sich die Ausatmung entspannt, verschwinden die Symptome wieder. Wenn sich die entspannte Atmung auf den Alltag übertragt, wird der Grundstress nachhaltig reduziert.

Viele Menschen, die bei den ersten Atemübungen eine Tetanie verspüren, gewöhnen sich anscheinend an die auftretenden physiologischen Veränderungen mit der weiteren Atemarbeit.

Man kann die Tetanie auch symbolisch für das Festhalten an etwas verstehen. Das Fehlen eines kräftigen Ausatmens kann ein Zeichen dafür sein, dass es etwas gibt, das losgelassen werden muss. Anstatt also zu versuchen, Tetanie zu vermeiden, sollte man es als ein Geschenk und eine Botschaft des Körpers verstehen.  Dieser zeigt uns, dass es eine Schwelle gibt, die darauf wartet, überschritten zu werden und man sollte sich die Frage stellen „Was muss ich jetzt loslassen?“

Eventuell ist es die Angst die Kontrolle zu verlieren, ein Groll, eine Angst, ein Kindheitstrauma, ….

Was auch immer es ist, es hält dich wahrscheinlich in einem Zustand des Widerstands und hindert dich daran, dein bestes Leben zu erleben.

Die Beantwortung der obigen Frage und die Auseinandersetzung mit dem emotionalen Hintergrund dieser Muskelverkrampfung kann uns voranbringen. Je ausgeprägter die Empfindung ist, desto schwieriger ist es für den Betroffenen, sich zu entspannen und sich dem Alltag hinzugeben. Es lohnt sich dranzubleiben und Geduld zu üben.

Geführte Atemübung für mehr Glückseligkeit

Und zu guter Letzt habe ich ein kleines Geschenk für dich. Diese geführte Atemübung ist zur Aktivierung deines Wurzelchakras gedacht und wir werden die sogenannte bewusste, zirkuläre Bauchatmung anwenden.

Schaffe dir eine gemütliche, optimale Umgebung (nicht beim Autofahren!) im Sitzen oder Liegen oder lass dich treiben…..

 

„Der Geist und der Atem sind der König und die Königin des Bewusstseins.“
Leonard Orr – Begründer der weltweiten Atem-Bewegung